15.12.2005 - Petrus? |
| Als ich erwachte war es hell, sehr hell. Ich hatte das Gefühl, als ob ich einen ewig langen Traum geträumt hätte. Da waren Erinnerungen an mein Kinderfahrrad, an meine erste Freundin, ein Bild von meinen Kindern und an den Unfall. Irgendwie ein Traum, der mein ganzes Leben zu umfassen schien. Die Helligkeit um mich herum wurde langsam von leuchtendem weiß zu weiß mit Schatten. Ein Gesicht, sehr verschwommen, tauchte über mir auf. Mundschutz, weißer Kittel, dann eine Stimme von ganz weit hinten. „Herr Bellmann? Können Sie mich hören?“ Ich wollte sprechen, einfach „ja“ sagen, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich einen Ton erzeugen sollte. Mein Körper und ich, wir standen uns gerade wohl nicht sehr nah. Über mir erschien ein weiteres Gesicht, diesmal ohne Mundschutz, dafür von einem goldenen Haarkranz umsäumt: „Martin? Ich glaube, es ist an der Zeit, dass Du zu uns kommst.“ So langsam kam ich zu mir, und je klarer mein Verstand wurde, um so verwirrter wurde ich. „Martin, komm jetzt!“ Ich spürte eine Hand, die die meine ergriff und mich sanft aber energisch zu sich zog. Meine Gedanken formten die Frage „Was ist hier los?“ und Goldlöckchen antwortete: „Du hattest einen schweren Autounfall und der Arzt hat Dich gerade operiert, leider ohne Erfolg.“ „Heißt das, ich bin tot?“ Diese Frage hatte ich sprechen können, oder? „Sagen wir mal, Du bist herüber getreten“, antwortete Goldlöckchen.
Wahnsinn! Es war wirklich so, wie es uns als Kindern schon erzählt wurde. Da kommt ein Engel, nimmt dich an die Hand und bringt dich zu Petrus, damit er dich in den Himmel lassen kann. Immerhin, mein Leben kann ja so schlecht nicht gewesen sein, sonst hätte mich ja wohl der Teufel geholt – womit ich eigentlich immer gerechnet hatte. „Sag mal“, sprach ich den Engel an, „Du bringst mich jetzt zu Petrus, oder?“ „Zu Petrus? Wer soll das denn sein?“
|
| • 3 Kommentare • Permanenter Link |
8.12.2005 - Auf Papier |
| Habe heute mal meine „alten“ Geschichten durchforstet .... noch auf Papier verfasst, Gott, wie lange ist das her. Manche haben mich erheitert, manche an traurige Zeiten erinnert. Aber keine war für Euch bestimmt. Und um sie umzuschreiben, fehlt mir heute die Zeit. Für eine neue fehlt gerade die Idee. Daher gibt es heute nur einen Sinnspruch, der mir gut gefällt: Jedes Gelingen hat sein Geheimnis. Jedes Misslingen seinen Grund. PS.: Bin jetzt mal drei Tage nicht Online, aber Montag gibt es eine neue Geschichte. |
| • 0 Kommentare • Permanenter Link |
7.12.2005 - Für die Katz? |
| Ist Dir das auch schon mal passiert? Du SITZT im Auto, STEHST im Stau, hinter Dir LIEGT ein Scheißtag? Du kannst noch so viel REDEN, keiner HÖRT Dir zu und selbst wenn Du SCHREIBST liest es wahrscheinlich wieder kein Schwein. An solchen Tagen freut man sich über die Gemeinschaft der Bloger! NEEEE! Wirklich! Auch wenn keine Kommentare kommen – es besteht die Möglichkeit, das es doch jemand liest ? |
| • 0 Kommentare • Permanenter Link |
7.12.2005 - Hilfe!!!! |
| Mal was in eigener Sache: Die Möglichkeiten in diesem Blog den Text zu formatieren halten sich in sehr engen Grenzen, wenn man der Programmiersprachen nicht mächtig ist. Gibt es da abhilfe, Lösungsvorschläge etc.? Ein kleiner Tipp wäre nett! Danke
Ach ja! Und wie kann ich hier Bilder hochladen, wenn ich keine eigene Internetseite besitze? Schon klar, Bilder hier ablegen und dann hochladen. Aber wo bitteschön ist „hier“. Und wie komme ich da ein zweites mal hin, um die Adresse einzugeben?
Nochmal DANKE für jede hilfreiche Antwort.
|
| • 0 Kommentare • Permanenter Link |
6.12.2005 - Ein modernes Gedicht? |
| Heute Nachmittag im Cafe, ich saß in einer netten, etwas dunklen Ecke, belauschte ich, mehr aus Versehen, zwei Frauen. Sag mal, sagte die Blonde, kommst du eigentlich jedes mal, ich mein zum Höhepunkt, beim Sex?Da lacht die Brünette, ja, sagt sie, ich komme fast immer,solange er nur einen guten Rhythmus hat.Und, fragt die erste, kriegt dein Mann das auch mit,wenn Du kommst, dein Orgasmus, meine ich?Da lacht sie noch mehr, die Brünette, und sagt etwas leiser,nein, er mag nicht, wenn ich ihn im Büro anrufe. |
| • 0 Kommentare • Permanenter Link |
5.12.2005 - Heute kommt sie! |
| Mein Beitrag zum Dada und Dali Award 2005:
Sie kam so plötzlich, das mir vor Schreck fast die Schenkel aus den Händen fielen. Ich wollte sie gerade zum überbacken in den Ofen schieben, als sie ganz unvermittelt hinter mir auftauchte. „Hallo Paul! Ich bin ein wenig früher gekommen. Ich dachte mir, wir können doch zusammen kochen.“ Tina hatte noch immer einen Schlüssel zu unserer ehemals gemeinsamen WG und ich hatte nichts dagegen; Auch wenn es ihre Angewohnheit war, praktisch lautlos in die Altbauwohnung zu schlüpfen. Wie sie sich ohnehin fast immer lautlos zu bewegen schien. Mehr schwebend denn gehend, jede Bewegung fließend, manchmal etwas theatralisch. Ich mag, wie sie sich bewegt. Ich finde es anregend, ja mehr noch, erotisch. Obwohl zwischen uns in den zwei Jahren unseres gemeinsamen Wohnens nie etwas Körperliches vorgefallen war, gab es doch immer diesen Reiz, dieses prickeln. Zugegeben, als sie noch hier wohnte, habe ich morgens manches Mal abgewartet, bis sie aus dem Bad kam, um dann erst auf den Flur zu treten. Eigentlich ging es mir dabei gar nicht darum, sie nackt zu sehen. Vielmehr war es das Spiel ihrer Muskeln unter der noch feuchten Haut, der Bewegungsablauf, der Schwung ihres verlängerten Rückens, den ich sehen wollte. Aber trotz meines Begehrens, oder gerade deswegen, waren wir Freunde geworden in dieser Zeit. Ihre Ansichten waren zwar manchmal etwas seltsam, ihre Vorstellung von den Zusammenhängen der Welt sehr esoterisch, aber mit ihr zu reden, zu diskutieren oder sich zu streiten und zu lachen war einfach immer sehr schön.Jetzt steht sie also hinter mir und schaut zu, wie ich die Hähnchenschenkel zum überbacken kniend in den alten Backofen schiebe. „Was gibt es denn leckeres? Hähnchenbeine in Kräutersoße? Super!“ Sie beugt sich über mich und ihre Haare streifen meine Wange, als sie den Duft der Marinade einatmet. „Feuchte Schenkel! Genau mein Geschmack!“ Unsere Sprache hatte von Anfang an einen Hang zur Verbalerotik. Daran hatten wir beide unseren Spaß und es ist unausweichlich, das ich darauf jetzt eine geistreiche Pointe bringen muss. Doch zu meiner Schande fällt mir so rein gar nichts ein. Nicht, solange mich ihr Haar kitzelt und ich trotz der Marinade nur ihren Duft wahrnehme. Diese Frau macht mich verrückt, rattendoll, ganz und gar gaga, wenn sie so nah bei mir ist!Ich schließe also das Backrohr und stehe auf. „Willst Du ein Glas Wein“, frage ich sie und entferne mich wenigstens einen Meter von ihr. „Sicher! Das ist doch das zweitschönste beim kochen“. Etwas blöde frage ich: „Und was ist das schönste am kochen?“ „Na, die feuchten Schenkel“, lacht sie. Damit hätte ich wohl rechnen müssen, also zwei zu null für sie.Ich schenke zwei Gläser Wein ein, der teuerste von Aldi. Sie bemerkt es und fragt, ob ich noch was „besonderes“ vor habe. „Klar“, sage ich: „dich und mindestens zwei Schenkel.“ Tina lächelt nur und sagt: „Wo wir gerade bei Schenkeln sind, weißt du, wo die Beine einer Frau am schönsten sind?“ „Klar, da wo sie sich in die Haare kriegen; woher hast du denn diesen alten Witz?“ „Den hat Manfred mir erzählt“. Manfred? Gott, wie ich das Hasse! Wer zum Teufel ist den jetzt wieder Manfred? Seit Tina ausgezogen ist, schüttelt mich die Eifersucht! Ich stelle mir vor, dass sie mit irgendeinem Kerl ins Bett geht und er all das bekommt, was ich mir so wünsche. Scheiße, und dabei komme ich mir auch noch schlecht vor. Und als ob das nicht reicht, fühle ich mich auch noch von ihr bei meinem Gedanken ertappt. „Manfred ist mein neuer Nachbar, ein netter älterer Herr“. Soll ich mich jetzt freuen? Nein, klappt nicht. Sofort bildet sich die Frage, warum ein „netter älterer Herr“ ihr wohl solche Witze erzählen sollte. Und ein Spruch meines Vaters durchstreift meinen Kopf: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Elend aber wahr!In den zwei Jahren, die sie hier mit mir lebte, hatte sie nie Herrenbesuch oder war über Nacht weggeblieben. Aber ihre Ausstrahlung war mir immer Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen. Männer drehen sich halt auf der Straße nach ihr um.Egal, was habe ich zu befürchten? Ich will es jetzt einfach wissen! „Sag mal Tina, es brennt mir schon lange auf der Seele, bist du eigentlich wegen einem Mann ausgezogen?“ Kurze Pause, sie schaut mir tief in die Augen: „Ja!“ Scheiße, das tut weh! Mir zieht es den Magen zusammen und eine Etage tiefer verkrampft sich auch irgendwas. „Wegen dir!“ In meinem Kopf kommen jetzt noch ein paar Millionen Fragezeichen dazu. Tolles Gefühl, unten eiskalt und oben Heizstäbe im Kopf. Andersherum wäre es wohl Pornografie, so ist es peinlich. „Wie jetzt“ stottere ich. „Na, ich bin wegen dir ausgezogen!“ Was hatte ich denn falsch gemacht? Und wenn, war das, was auch immer es gewesen sein mag, so schlimm, das sie gleich ausziehen musste? Und überhaupt ... ich verstehe gar nichts mehr! Wie durch einen Nebel der Verwirrung dringen ihre Worte zu mir: „Ich hab dir doch ganz am Anfang, als ich hier einzog, gesagt, mit meinen Mitbewohnern fange ich nichts an! Erinnerst du dich?“ „Ja, schon, aber, ich meine, was heißt das denn jetzt wieder?“ „Das heißt, du Blödmann, das ich zu meinen Worten stehe. Und es heißt, das ich erst ausziehen musste, bevor ich mich für dich ausziehen darf.“Was soll ich sagen? Die Schenkel sind extrem trocken geworden. Sogar ein bisschen angebrannt. Aber das ist mir hier und jetzt, bei unserem ersten gemeinsamen Essen im Bett ziemlich gleichgültig.Peter Lothar05.12.05 |
| • 2 Kommentare • Permanenter Link |
|
Über diesen blog
Unregelmäßig erscheinende Geschichten und Geschichtchen von Peter Lothar alias Demian. Mal nett, mal böse, mal erotisch, mal fantastisch.
Links
• Startseite
• Profil
• Archiv
|